Walter Friedrich Haettenschweiler

Grafiker, Schriftgestalter, Künstler

 

Teil 1

Zur Person

Walter Friedrich Haettenschweiler (* 3. Januar 1933, † 7. Oktober 2014) trat nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich seine erste Anstellung in der Hag-Kaffeerösterei in Feldmeilen an, Mitte 1950 eröffnete er ein eigenes Atelier in Zug. Dort gestaltete er unter anderem Plakate, Briefmarken und rund 150 Firmenlogos, vorwiegend im Kanton Zug. Zudem entwickelte er viele Schriften, darunter die «Haettenschweiler», die (ohne seine Erlaubnis) in die Palette von Microsoft aufgenommen wurde.

In Zusammenarbeit mit dem Typographen Armin Haab schuf Walter Haettenschweiler zwischen 1964 und 1972 die Schriftmustersammlungen «Lettera», die vielfach übersetzt und in vielen Ländern vertrieben wurden. Zudem widmete sich Walter Haettenschweiler der bildenden Kunst.

So sind in den 1950er- und 1960er-Jahren Gemälde in der Bretagne entstanden, wo er mit seinem Zuger Künstlerkollegen Jonny Potthof weilte. Neben Malerei und Zeichnungen schuf Walter Haettenschweiler auch plastische Arbeiten, beispielsweise Jesus mit den zwölf Aposteln in der reformierten Kirche Zug, geschaffen aus Eisenbahnschwellen.

Haettenschweiler war als zigarrenrauchendes Stadtoriginal bekannt, Stammgast und Schachspieler im früheren Café Ritz am Landsgemeindeplatz.

Inhalt Teil 1


Walter Haettenschweiler erzählt von seinen Anfängen als Grafiker. Sein Ziel sei immer, Interesse zu wecken für ein Produkt oder eine Institution und nicht seinen  Stil zu produzieren. Schön früh wusste er, dass er selbstständig arbeiten wollte. Dank vielen Beziehungen  – beispielsweise durch die Dekorationen für Fasnachtsbälle – kann er sich einen Kundenstamm aufbauen. Darunter sind vor allem mittelgrosse Gewerbebetriebe. Ein besonderer Triumph: In einem Wahljahr kann er gleichzeitig für die Konservativen und die Liberalen die Werbung gestalten. Ein bedeutender Kunde ist auch Marc Rich. Walter Haettenschweiler geht bei den Aufträgen eher intuitiv als konzeptionell vor. Vor allem für die Lernenden muss er contre cœur Computer anschaffen. Die Resultate befriedigen ihn jedoch nicht. Sie sind oft perfekt, aber monoton und ohne Leben. Ein Rückschlag erlebt Haettenschweiler durch die Fête des Vignerons: Trotz Wettbewerbsgewinn kann er die Gestaltung nicht ausführen.



Inhalt Teil 2


Walter Haettenschweiler erläutert, wie die Alphabet-Musterbücher «Lettera» entstanden sind und wie wenig die Urheberrechte von Schriftgestaltern beachtet werden. Auch Microsoft hat die Haettenschweiler-Schrift ohne Rücksprache verwendet. Seine Alphabete hat Haettenschweiler oft aus Aufträgen für Firmenschriftzüge weiterentwickelt, gezeichnet von Hand mit Lineal, Zirkel, Feder, Tusche und Farbe. Die Qualität der Typografie und der grafischen Gestaltung mittels Computertechnik beurteilt er kritisch. Seinen Namen schreibt er aus ästhetischen Gründen mit ae.



Inhalt Teil 3


Walter Haettenschweiler erklärt, was ein gutes Logo ausmacht und wie er dafür bei der Gestaltung vorgeht. Wichtig ist für ihn der Mut, etwas Eigenes zu machen und sich nicht sklavisch an Vorgaben zu halten. Weniger ist mehr, ein Logo soll keine Illustration, sondern klar und reduziert sein.  Als Beispiele schildert Walter Haettenschweiler die Entstehungsgeschichte der Erscheinungsbilder des Schweizerischen Reisebüroverbandes und der Zuger Baufirmen Gebr. Risi und Gebr. Hodel.



Inhalt Teil 4


Malerei – so Walter Haettenschweiler – habe er vor allem für sich selber gemacht, auch aus Ausgleich zur Tätigkeit als Grafiker. Oft malt er auf einer Oberfläche nicht von Rand zu Rand, sondern lässt die Bilder auslaufen. Das mache den Einstieg für den Beobachter einfacher. Auch viele Plastiken, Objekte oder Wandbilder hat er geschaffen. Vieles ist schnell und ungeduldig entstanden, im Gegensatz zum Zuger Malerkollegen Johnny Potthof, der seine Bilder oft stark verdichtet hat. Nach dem Tod seiner Frau musste Walter Haettenschweiler kürzer treten. Trotzdem möchte er noch einige Dinge erledigen. Aus der Teilnahme an Wettbewerben habe er gelernt, die Flinte nicht so schnell ins Korn zu werfen.




Aufnahmedatum: 7. Oktober 2013
Aufnahmeort: Schanz 2, Zug
Redaktion und Interview: Beat Holdener
Kamera, Ton und Postproduktion: Remo Hegglin


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