Joe Brändli

Inhaber des Electronic Center Zug und FEAM

Teil 1/2

Zur Person

Joe Brändli (* 15.1.1945) führt seit 1979 das legendäre «Electronic Center» in Zug.
Er wächst in Unterägeri auf und schliesst in der Landis & Gyr eine Lehre als FEAM (Fernmelde-, Elektro- und Apparatemonteur) ab. Danach arbeitet er fürs Militär bei der DMP (Direktion der Militärflugplätze) auf dem Flugplatz Buochs und für Siemens viele Jahre in Südafrika, bevor er das «Electronic Center» gründet. Auch heute mit 76 Jahren steht er beinahe täglich im Geschäft, wenn er nicht gerade in einem V8er durch Amerika reist. Er hat zwei Söhne: Joe Brändli (* 1995) und den adoptierten Zeljko Brändli (* 1981).


Inhalt Teil 1


Joe Brändli wird 1945 in der Ostschweiz geboren. Die Familie lebt in Sirnach (TG). Ein Jahr später zieht die Familie mit Joe und drei Geschwistern nach Unterägeri und übernimmt das Hotel Brücke samt Kino am Dorfplatz. 17 Jahre wächst Joe Brändli dort auf. Sein Vater stirbt früh mit 56 Jahren. Das Hotel wird verkauft und Brändli beginnt eine Lehre als FEAM (Fernmelde-, Elektro- und Apparatemonteur) bei der Landis & Gyr in Zug.



Nach der Lehre arbeitet er fürs Militär bei der DMP auf dem Flugplatz Ennetbürgen am Kampfjet Mirage. Nach vier Jahren wechselt er zur Siemens und verbringt zehn Jahre in Südafrika. Mit einem Kollegen besitzt Joe Brändli einen Flieger. Sie gehen oft auf Reisen, auch wenn es nicht ungefährlich war, mit einem südafrikanischen Auto in Richtung Norden zu Reisen. Joe Brändlis Schweizer Freundin lebt bald auch mit ihm in Südafrika. Beim Reisen durch Afrika brennt der VW-Bus mitten in der Sahara ab (04:40). Zurück in der Schweiz heiraten die beiden. Joe Brändli wechselt von Siemens zur britischen Firma Racal, bei der er etwa zwei Jahre arbeitet. Er und seine Frau gehen getrennte Wege und Joe Brändli kehrt zurück nach Zug.

Er hat drei Ideen für seine Zukunft: Als Fluglotse in den «Turm von Kloten» gehen, einen Elektronikladen eröffnen oder, um Geld zu verdienen, einen «Extremjob» im Ausland annehmen (07:11). Joe Brändli eröffnet 1979 das «Electronic Center» am Kolinplatz in Zug. Nach zwei Jahren wird das Ladenlokal bereits zu klein. Er zieht um ins «Gabor-Haus» an der Baarerstrasse. Nach weiteren zwei Jahren wird es wieder eng, und er kann das ehemalige Lokal der «Osterwalder Werkzeugmaschinen AG» an der Lauriedstrasse 4 übernehmen. Seit 37 Jahren befindet sich das «Electronic Center» nun dort.

Heute lebt das Geschäft vor allem von Reparaturen aller Art (09:38). Joe Brändli findet, er sei oft zu billig, doch wenn die Reparatur teurer sei als ein neues Gerät, fluchen die Leute. Im «Electronic Center» werden fast alle zu reparierende Geräte angenommen, auch klebrige Fritteusen. Joe Brändli möchte möglichst alle Leute zufriedenzustellen. Kleinere Geräte und Schaltungen entwickelt man auch selber (15:24). Im Keller des Geschäfts befindet sich das Lager, in dem Joe Brändli alles sammelt, was ihm gefällt oder noch gebraucht werden könnte. Zitat Feuerschauer: «Brändli, Brändli, wo sind die Fluchtwege?».

Joe Brändli ist auch bekannt für seine Sprüche (18:17). Kunden, die vor 40 Jahren schon im «Electronic Center» Kunden waren, erzählen ihm, dass sie damals sehr grossen Respekt und beinahe Angst vor ihm hatten. Er kann heute aber jedem in die Augen schauen, sagt er, und er erinnert sich an «kauzige» Kunden (19:10). Viele Begegnungen im «Electronic Center» sind filmreif, finden seine Kollegen (21:01).

Elektronik ist immer noch Joe Brändlis Hobby, auch wenn Reparaturen schwieriger werden. Die Bauteile werden immer kleiner. Darum hat sich das «Electronic Center» gerade eben ein Mikroskop angeschafft. Heute basteln junge Leute nicht mehr und «Modellisebähnler» gibt es auch immer weniger. Deshalb hat Brändli den Laden vor zwei Jahren «gesundgeschrumpft». Die Ladenmiete wird jetzt auf drei Parteien verteilt. Joe Brändli ist trotzdem überzeugt, dass das «Electronic Center» Zukunftschancen hat; Reparaturen sind nach wie vor gefragt.


Inhalt Teil 2


Im elterlichen Hotel Brücke in Unterägeri befindet sich das Kino Rex in einem Neubau. Bis Joe Brändli in die 4. Klasse geht, fährt noch ein Tram von Zug nach Unterägeri. Die Brändlis beitreiben das Kino. Joe Brändli muss jeweils die Filmrollen der «Wochenschau» und der Spielfilme abholen, die per Tram geliefert werden. Zu Weihnachten zündet er den Christbaum an und löst im Kino Panik aus (02:07). Brändli hat generell Erfahrung mit Bränden: Ein Auto, ein Christbaum und zwei Töffs gehen ihm Flammen auf.



Joe Brändli findet Zug eine super Stadt. Und das Guthirt-Quartier liegt strategisch gut für einen Shop. Die Stadt ist viel internationaler geworden; Brändli spricht mit Kunden immer öfter englisch. Auch die Hochhäuser von Zug gefallen ihm, der immer wieder gerne nach New York reist. Überhaupt zieht es Joe Brändli für Urlaub regelmässig in die USA. Mit Joe Brändli junior reist er 8000 km durch die Rocky Mountains. Weite Reisen unternimmt er lieber mit Auto als mit Töff.

Joe Brändli liebt die Weite. Viermal fährt er mit dem Töff durch die Sahara. Sohn Joe Brändli heiratet und Vater Brändli muss das erste Mal alleine durch die USA reisen. Alleine ins Motel zu gehen kommt ihm komisch vor, aber er meint erstaunt: «Das kann ich auch.» (06:07) Joe Brändli liebt auch die Enge seines Ladens; alles ist in der Nähe. Da er keine Frau mehr hat, verbringt er sogar Sonntage dort. Brändli meint von sich: «Ich bin manchmal schon ein bisschen ein Lustiger. Ich habe das Gefühl, ich mache es nicht schlecht.» (07:39) Einer seiner Töffkollegen hat ihn gar zu seinem Vorbild erkoren.

Joe Brändli hat zwei Söhne: Einen «selber hergestellten» und einen adoptierten (08:42). Joe Brändli junior ist Informatiker und arbeitet für die Zuwebe, Zeljko Brändli arbeitet im «Electronic Center» und wird diesen voraussichtlich übernehmen.
Brändli will aber nicht aufhören. Der Laden sei sein «Home and Castle».
Als Familienmensch sieht sich Joe Brändli nicht (10:14). Er ist gerne für sich, aber kein Einzelgänger, denn im Laden ist er aber immer unter Leuten.

Joe Brändli hat mehrere Hobbys, die ihn durch sein Leben begleiten: Töfffahren (12:40), Musik hören (14:15), neuere Geschichte am Fernsehen (15:48). Ausserdem sammelt er alte Filmkameras und -projektoren und alte Messinstrumente. Ein grosses weiteres Hobby ist das Filmen (17:58). Schon mit 15 Jahren dreht er Filme. Aus dem brennenden VW-Bus in der Sahara rettet er noch ein Uher-Tonbandgerät und eine Beaulieu-Kamera. So stehen dann seine Freundin im Negligé und Joe Brändli einzig mit Kamera und Tonbandgerät in der Sahara. (22:04) «Ich habe Glück gehabt im Leben», meint Joe Brändli. Gesund trotz Corona und alle Unfälle glimpflich überstanden. Was er wollte, sei ihm gut gelungen.


Impressionen aus dem Electronic Center Zug




Aufnahmedatum: 4. Mai 2021
Aufnahmeort: Electronic Center Zug, Lauriedstrasse 4
Redaktion: Max Pfeffer und Remo Hegglin
Kamera und Ton: Remo Hegglin
Postproduktion: Max Pfeffer
Fotografien: Alexandra Wey


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